Fotos: Tanja Heusmann

Ausbilderworkshop im herbstlichen Nebel

Der Mensch, der seinen Hund ausbildet oder gemeinsam mit dem Hund Sport betreibt, hat sich und den ihm anvertrauten Hund einer sorgfältigen Ausbildung zu unterziehen, deren Ziel die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Hund ist.“ (Auszug aus der Präambel der neuen FCI-Prüfungsordnung ab 2012)

 

Sehr früh am Samstag, den 19.11.2011, tauchten beim HGSV Stade e.V. die ersten Vereinsmitglieder auf, um sich an die Vorbereitungen für den geplanten Ausbilder-Workshop zu machen, den unsere LG-Übungswartin Yvette Kliebisch für Schutzdiensthelfer und Ausbilder unserer Landesgruppe organisiert hatte. Gegen 9.00 Uhr trafen dann auch die Teilnehmer und der Referent mit einigen interessierten Hundesportlern des PHV-Reesdorf ein.Insgesamt nahmen 25 Ausbilder inkl. Schutzdiensthelfer das Angebot unserer LG-Übungswartin wahr, sich mit der neuen FCI-PO, die ab 01.01.2012 gültig sein wird, auseinanderzusetzen.

Als Referent konnte Yvette Hans-Jürgen Freitag gewinnen, der sofort begeistert zugesagt hatte, da eine Zusammenkunft in dieser Form auch im DVG bis dato nicht vorgesehen war. Hans-Jürgen ist ein kompetenter jahrzehntelanger erfolgreicher Hundesportler, Polizeidiensthundeführer, Leistungsrichter im DVG und Leistungsrichterobmann in Schleswig-Holstein (DVG) sowie „Schutzdiensthelfer mit dem richtigen Bauchgefühl“. In seiner über Jahrzehnte angesammelten Hundesporterfahrung wurde er schon mit einigen Änderungen der PO konfrontiert, und so führte er uns durch die Irrungen und Wirrungen der neuesten Art.

Yvette stellte uns ihre Lehrfilme zur neuen PO zur Verfügung. Dadurch wurden uns alle Neuerungen sehr anschaulich und detailliert dargestellt und die Theorie vielfältig aufgelockert. Einige Änderungen wurden auch kritisch diskutiert. Ob z. B. die IPO-V dann wirklich einen erleichterten Einstieg in die IPO 1 bedeutet, wird die Zukunft zeigen.

Eingehend besprachen wir die Helferbestimmungen: Die Vorraussetzungen für den Einsatz als Helfer in der Abteilung C sowie die Grundsätze zum Helferverhalten beim Prüfungseinsatz wurden im Lehrfilm anschaulich dargestellt. Am Flipchart zeichnete uns Hans-Jürgen die alten und neuen Markierungspunkte betreffs „Verhinderung eines Fluchtversuchs“ für Helfer, Hundeführer und Hund zum Vergleichen auf. Anschließend widmeten wir uns ausführlich der TSB-Bewertung im Schutzdienst. Hans-Jürgen analysierte die Bedeutung der Triebbeständigkeit, Selbstsicherheit und Belastbarkeit und erklärte ausführlich die Beurteilungsmöglichkeiten. Anhand von einigen Beispielen überzeugte er uns, dass im logischen Schluss ab einer Punktevergabe unter 85 in C normalerweise ein TSB „a“ nicht möglich ist. Die Qualitätsunterschiede unserer Hunde sollten in der TSB-Bewertung ernsthafter dargestellt werden, dann würde ein vorhandener TSB in Zukunft nicht so „negativ“ gesehen werden. Gehorsam geht oft zu Lasten der Triebbeständigkeit oder des Griffverhaltens. Dies spiegelt sich dann in der Selbstsicherheit des Hundes beim Agieren vor dem Helfer wieder, denn die exakte Führigkeit und der Gehorsam haben ebenfalls etwas mit der Belastbarkeit und Nervenstärke des Hundes zu tun. In unserer neuen PO liegt dort ein besonderes Augenmerk.

Der VDH signalisiert mit der neuen Prüfungsordnung, dass Hunde mit einer Schutzhundeausbildung in einem enorm hohen Gehorsam trotz ihrer Trieblagen stehen müssen. Vielleicht bekommt der in der Öffentlichkeit teilweise im Verruf stehende Schutzhundesport so in Zukunft ein positiveres Image. Als ganz wesentlich bewertet die neue PO die Harmonie zwischen Hund und Hundeführer. Aber was heißt nun eigentlich harmonisch? Harmonie ist Übereinstimmung. Man kann sie nicht anfassen, aber sehen und spüren. Wenn HF und Hund sich im Einklang bewegen, dann haben wir ein harmonisches Bild vom TEAM. Lockrufe und Körperhilfen, um den Hund zu bewegen, sind unnötig, wenn der Hund in Harmonie für und mit uns arbeitet. Eine vertrauensvolle, enge und sichere Bindung des Hundes an seinen Hundeführer sind dafür die Grundvoraussetzungen.

Jeder Hundeführer ist verpflichtet sich Kenntnisse über die Lernvorgänge bei der Hundeausbildung anzueignen. Die moderne Verhaltensforschung ist mittlerweile die Basis der heutigen Ausbildung. Das individuelle Wesen und Verhalten sowie das Leistungsvermögen unseres Sozialpartners Hund muss bei richtigem Erkennen optimal gefördert werden. Nur dann ist gewährleistet, dass wir das Potential unserer Vierbeiner effektiv nutzen können. Die Wichtigkeit einer kompetenten Ausbildung mit viel Einfühlungsvermögen und einer klaren Sicht in Triebbereiche und deren Zusammenspiel beim Aufbau unserer Hunde wurde für uns sehr deutlich.

Mehrere kleine Pausen im Theorieteil wurden durch kulinarische Feinkost der Mitglieder des HGSV-Stade gefüllt. Eine bunte Dia-Schau von Tony Kliebisch mit Hundesportbildern der letzten Landesmeisterschaft des DVG und lustige Hundebilder lockerten die Pausen auf.Noch immer in Diskussionen vertieft, saßen wir im kuscheligen Vereinsheim beisammen und der Theorietag neigte sich dem Ende. Der immer dichter werdende Nebel machte uns so nur auf der abendlichen Heimfahrt zu schaffen.

Am Sonntagmorgen starteten wir mit einem deftigen gemeinsamen Frühstück und mit weiteren Filmsequenzen, die den Abschluss zum Theorieteil bildeten. Nun wollten wir auf der Platzanlage Unterordnung und Schutzdienst praktizieren. Wie auf ein Zeichen hatte sich inzwischen der Nebel verzogen und die Herbstsonne schien in ganzer Pracht.

Im Bereich Unterordnung zeigten uns Gönnar Ritke mit Timber und Yvette Kliebisch mit ihrer Vita, wie viel Einfluss unsere eigene Körperhaltung auf die Fußposition und die Bewegungsfolge des Hundes hat. Wir sahen von beiden Hundeführerinnen Freifolgen und Wendungen ohne jegliche Führerhilfen in harmonischer Perfektion. Danach konnte jeder mit seinem Hund Gleiches ausprobieren und erhielt hier hilfreiche Tipps von Gönnar in der Praxis, und Yvette erklärte ihren Aufbau allen Interessierten in der Runde mit Fokus auf unsere Hovawarte. Für die Stader Fraktion waren die Erläuterungen nicht neu, da Yvette unsere Hovis immer mit dem nötigen Fingerspitzen- und Bauchgefühl ausbildet. Wer ihre Hovawarthündin Aurelie vom Blütenmeer jemals mit ihr hat laufen sehen, der weiß, dass auch ein Hovi zu exakter, harmonischer und korrekter Leistung in der Unterordnung fähig ist. Seit Jahren fördert sie uns und unsere Hunde in einer fairen, korrekten und motivierenden Ausbildung mit einer guten zielgerichteten Einschätzung für jeden Hund und Hundeführer.

Nach dem Mittagessen ging es dann mit dem Schutzdienst weiter. Die geballte Power von drei Schutzdiensthelfern (Hans-Jürgen, Marc und Tony) konnte nun jeder Willige in Anspruch nehmen. Yvette fütterte Hans-Jürgen mit den nötigen Inputs zu jedem Hund und so konnten wir nochmals durch regen Informationsaustausch und praktische Darstellung viele Möglichkeiten zur Weiterarbeit mit unseren Hunden mitnehmen. Ob Malinois, Deutscher Schäferhund, Hollandse Herder, Mix oder Hovawart - jeder hatte irgendwo seine eigene Problematik, an der gearbeitet werden sollte.

Mit Heißgetränken gegen die Kälte agierend endete der Praxistag gegen Abend im Vereinsheim mit einem gemütlichen Beisammensein. Vielen Dank an unsere Küchencrew für die super Rundum-Verpflegung. Ein riesengroßes Dankeschön auch nochmals an Hans-Jürgen Freitag, dem das Zusammenwirken mit allen Teilnehmern ebenfalls Spaß gemacht hat. So verlief das Wochenende lehrreich und harmonisch.

Für die aktuellen Änderungen der ab 2012 gültigen PO hat sich der Nebel jedenfalls gelichtet. Unserer LG-Übungswartin Yvette Dank und Anerkennung für die Initiierung dieses schönen Workshops.

Bericht: Gabriele Kranz